Befehl: Steckrübe, 2500 „Kauakte“ für 30 Bissen

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Das Gemüseregal füllt sich mit Wintergemüse. In den letzten Jahren sind „alte“ deutsche Exoten dazu gekommen. Steckrüben, Pastinaken sind auf meinem Speiseplan nicht vertreten, Rote Rüben, Schwarzwurzeln schon eher.

Am Freitag sehe ich die kugeligen Dinger im Gemüseregal liegen und nehme eine mit. Ich bin neugierig, wie Steckrüben schmecken. Immerhin erleben diese eine wahre Renaissance auch in Gourmetküchen.

Bei der Rezeptsuche im Internet treffe ich auf Tim Mälzer, auch er kocht eine Steckrübensuppe. Im Norden Deutschlands scheint der Steckrübeneintopf in mehreren Variationen zu Hause zu sein. Ich entscheide mich für die Lübecker Variante, die klingt für meine Geschmacksnerven plausibel.

Basis des Eintopfes ist eine kräftige Fleischbrühe, die mit Rippchen gekocht wird. Gemüsiges: Kartoffelstückchen, Steckrübenstreifen, Möhren werden in der Fleichbrühe bissfest gekocht. Als zusätzliches Gewürz wird Kümmel empfohlen. Ich überlege erst, ob ja oder nein, entscheide mich dann für ein wenig Ja. Immerhin kenne ich Kümmelzugaben auch bei Weißkrauteintöpfen. Frische Petersilie wird kurz vor dem Servieren zugefügt.

Und wie sagen manche: Ta ta ta taaa, das Süppchen ist tischfertig.

Alle sind gespannt, schauen mit skeptischem Blick und was soll ich sagen, es schmeckt ausgezeichnet. Einstimmig wird festgestellt, daß die Steckrübe zu Unrecht  vor 100 Jahren vom Esstisch verschwand.

Viel Interessantes habe ich über die deutsche Steckrübe gelesen, zusätzlich zu den allgemeinen Nahrungsmittelangaben wie Vitamingehalt, Kalorien usw. fand ich sehr viel Geschichtliches.

Ein lesenswerter Beitrag steht auf der Internetseite www.gesundheit.de

Und so geht dort die Steckrüben- Geschichte:

Jahrzehntelang wollte die Steckrübe niemand mehr sehen, geschweige denn sich auf die Gabel laden. Zu oft hatte die Steckrübe, auch Kohlrübe genannt, auf den Tellern gelegen, war das Einzige, was überhaupt noch zu kriegen war in den bitterkalten Kriegswintern, die die Menschen im 20. Jahrhundert zu überstehen hatten. Jahrelang geriet die Steckrübe danach in Vergessenheit. Doch nun erlebt diese Rübe in deutschen Küchen ein kulinarisches Comeback.

Die dicke Knolle, eigentlich Futter für die Schweine, wurde während des Ersten Weltkrieges, im sogenannten Kohlrübenwinter 1916/1917, zum Hauptnahrungsmittel. Morgens, mittags und abends füllte sie die hungrigen Mägen. Das Kriegsernährungsamt empfahl Hungernden 2500 „Kauakte“ für 30 Bissen in 30 Minuten, um die Nahrung besser zu verwerten.

Im Ofen getrocknete und anschließend mit einer Mühle gemahlene Steckrübenraspeln ersetzten zudem das Kaffeepulver. Während die Regierung versuchte, die Rübe als ostpreußische Ananas beliebt zu machen, hatten die Deutschen die Rübe gründlich satt – der Berliner Oberbürgermeister Adolf Wermuth notierte: „Weit mehr als sich im Herbst ahnen ließ, musste die dicke wässrige Frucht dem Berliner aufgenötigt werden, bis sie ihm und noch mehr der Stadtverwaltung zu Hass und Abscheu wurde.“

Kein Wunder, dass die Deutschen in den folgenden Jahrzehnten einen großen Bogen um die Steckrübe machten.

Doch zum Glück erlebt die dickbäuchige Knolle jetzt ein Comeback. Sogar Fernseh- und Gourmetköche sind nun dabei, den Ruf der Steckrübe zu rehabilitieren. Steckrüben sind wieder in. Zu Recht, denn ihr süßlich-würziges Fleisch ist köstlich, zum Beispiel als Beilage zu deftigen Fleischgerichten, als Eintopf oder als feines Püree.

Mehr zum Thema: http://www.gesundheit.de/ernaehrung/lebensmittel/gemuese/steckruebe

 

Ich wünsche allen meinen Lesern einen schönen sonnigen Feiertag.

 

 

4 Responses

  1. twohalf

    Das könnte man wirklich mal probieren ….. Ich denke es wird geschmacklich Richtung Weißkohl gehen …… Die Berliner wurden mit „Steckrüben“ verwöhnt ….. witzig…… jetzt weiß ich endlich warum diese zu Ostzeiten bevorzugt wurden…. Die Verantwortlichen wollten Wiedergutmachung 😄

    • mbeckert

      Hallo twohalf,
      jojo so ähnlich schmeckt es. Solltest Du unbedingt mal nachkochen, es ist ein sehr schönes Herbstgericht :-)).
      Ich wünsche Dir einen schönen erholsamen Abend. Liebe Grüße, Marina

  2. Joachim

    Hallo Marina,
    nach meiner ansicht haben Sie hier einen guten Griff ins Regal getan. Ich kenne die Steckrübe nur als Kohlrübe. Meine Mutter hatte öfter mal einen solchen Eintopf zubereitet. Dazu gab es knusprig gebratenen Schweinebauch.
    Einfach lecker.
    Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag.
    Herzl. Gruß
    Joachim

    • mbeckert

      Hallo Joachim,
      meine Mutter kennt es auch noch aus ihrer Kindheit und unter dem Namen Kohlrübe. Sie war anfangs einer der Skeptiker :-))
      Die Variante mit dem knusprig gebratenen Schweinebauch klingt auch sehr gut. Ich werde auf jeden Fall noch mehr Gerichte probieren, z.B. Steckrübenstampf.
      Viele Grüße in das regnerische Lychen (zumindest zeigt das die Webcam seit heute morgen um 8 Uhr an) sendet Ihnen Marina

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